Energieausweis360°

Klassen

Energieklassen
A++ bis G.

Die Effizienzklasse auf Seite 1 des Energieausweises bezieht sich auf den Heizwärmebedarf am realen Standortklima (HWB,SK), also dem tatsächlichen Bauort. Die OIB-Mindestanforderung für Neubauten ist als Heizwärmebedarf-Referenz am Referenzklima (HWBRef,RK) definiert und liegt typischerweise im Bereich der Klassen A oder B. Hier sind alle Klassen mit Werten, Bedeutung und Beispielgebäuden.
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Begehung
vor Ort
Antwort
innerhalb24 Stunden
Ausstellung
5–10Werktage
Gültigkeit
10Jahre

01 / Klassentabelle

Was die Klasse aussagt.

Die Skala ist normiert auf den Heizwärmebedarf am Standortklima (HWB,SK) in kWh pro m² Bruttogeschoßfläche und Jahr.

KlasseHWB,SK (kWh/m²a)Charakterisierung
A++≤ 10Passivhaus-Standard
A+≤ 15Niedrigstenergie-Gebäude
A≤ 25Sehr energieeffizient
B≤ 50Mindestanforderung Neubau
C≤ 100Mittlere Effizienz
D≤ 150Mäßig, meist 1980er bis 2000er
E≤ 200Schlecht, typisch unsanierter Altbau
F≤ 250Sehr schlecht
G> 250Sanierungsbedürftig

02 / Was ist ein guter HWB-Wert

Was zählt als „gut"?

„Gut" hängt vom Anlass ab. Für einen Neubau ist alles unter Klasse B (≤ 50 kWh/m²a HWB,SK) Mindestanforderung, wirklich gut wären A oder besser. Bei einem Bestandsgebäude im Verkauf gilt Klasse C als verkaufsfähig ohne Sanierungsdruck, D ist marktüblich für Häuser aus den 1980er–2000ern, ab E wird der Käufer in der Regel Sanierungsbudget einkalkulieren. Werte unter 50 kWh/m²a sind ohne thermische Hülle praktisch nicht erreichbar; alles über 200 ist ein klares Sanierungssignal. Wichtig: HWB ist nicht der Strom-/Gasverbrauch, er ist eine genormte Berechnungsgröße bei 20 °C Innentemperatur (in den älteren OIB-RL-6-Fassungen noch 22 °C) und Standortklima, ohne Nutzerverhalten.

03 / HWB,SK vs. HWBRef,RK

Zwei HWB-Werte, unterschiedliche Funktion.

Der Energieausweis weist zwei HWB-Werte aus. HWB,SK (am Standortklima) bezieht sich auf das reale Klima am Bauort, Wien hat ein anderes Klima als Innsbruck, und ist maßgeblich für die Effizienzklasse auf Seite 1. HWBRef,RK (am Referenzklima) ist der Heizwärmebedarf am virtuellen Referenzstandort Österreich und bestimmt die Anforderungen aus Bauordnung und Wohnbauförderung. Beide Werte stehen im Energieausweis. Für die Klasse zählt HWB,SK; für gesetzliche Mindestanforderungen zählt HWBRef,RK.

04 / fGEE

Was bedeutet fGEE?

Der Gesamtenergieeffizienz-Faktor fGEE drückt aus, wie effizient ein Gebäude im Vergleich zum Referenzwert für Neubauten 2007 ist. Ein fGEE von 1,00 bedeutet: das Gebäude entspricht dem Standard von 2007. Ein fGEE von 0,75 ist 25 % effizienter als der Referenz-Neubau, ein fGEE von 1,40 ist 40 % schlechter. fGEE bewertet das Gebäude als Gesamtsystem, Hülle plus Anlagentechnik (Heizung, Warmwasser, Kühlung, Lüftung, Hilfsstrom) und bezieht sich auf den Endenergiebedarf, nicht nur auf den Heizwärmebedarf. Eine moderne Wärmepumpe verbessert den fGEE deutlich, auch wenn der HWB unverändert bleibt.

05 / fGEE-Klassen

fGEE-Werte und ihre Bedeutung.

Die fGEE-Klassen sind nicht 1:1 wie die HWB-Klassen, sie folgen dem Vergleich zum Referenz-Neubau 2007. Eine grobe Orientierung:

fGEEKlasse-ÄquivalentBedeutung
≤ 0,55A++ / A+Passiv- oder Niedrigstenergie mit erneuerbarer Anlagentechnik
≤ 0,75AHocheffizient, meist Wärmepumpe oder Pellets in gut gedämmtem Gebäude
≤ 0,85BKlimaaktiv-Bronze-typisch, Neubau-Standard
≤ 1,00CReferenz-Neubau 2007
≤ 1,30D1990er-Standard, Gas-Brennwertheizung in saniertem Bestand
≤ 1,75EUnsanierter Altbau mit fossiler Heizung
> 1,75F / GSchlechte Hülle plus alte Anlagentechnik

06 / HWB vs. fGEE

Welcher Wert sagt was?

HWB beschreibt die Hülle, wie viel Wärme das Gebäude pro Jahr braucht, um warm zu bleiben. fGEE beschreibt das Gebäude inklusive Anlagentechnik im Vergleich zu einem Referenz-Neubau. Wenn Sie den HWB verbessern, müssen Sie an die Hülle (Dämmung, Fenster, Lüftung). Wenn Sie den fGEE verbessern wollen, kann das auch über die Anlagentechnik passieren (Wärmepumpe statt Gas, PV-Anlage, Solarthermie). Für die Effizienzklasse auf Seite 1 zählt HWB,SK. Für viele Förderzusagen, Inseratspflichten und gesetzliche Mindestanforderungen wird auch fGEE bewertet.

07 / Beispielgebäude pro Klasse

Was bedeutet Klasse C, D, E, F, G konkret?

Typische Bestände in Österreich, geordnet nach Klasse. Die Werte sind Erfahrungswerte aus der Befundung, der individuelle HWB hängt immer vom konkreten Gebäude, Sanierungsstand und Klimaregion ab.

  • Klasse C (HWB,SK ≤ 100): saniertes Einfamilienhaus aus den 1990er-Jahren mit Außenwanddämmung und neuen Fenstern; oder kompakter, gut gedämmter Bau aus den 2000ern. Marktüblich, kein Sanierungsdruck.
  • Klasse D (HWB,SK ≤ 150): typisches unsaniertes Einfamilienhaus aus den 1980er–2000ern mit Wärmedämmverbundsystem aus Originalbauzeit. Verkaufsfähig, aber Käufer denken über Sanierung nach.
  • Klasse E (HWB,SK ≤ 200): unsanierter Altbau aus den 1960er–1970ern; Gründerzeit mit teilsaniertem Dach. Verkauf möglich, aber Heizkosten im roten Bereich.
  • Klasse F (HWB,SK ≤ 250): klassischer Gründerzeitbau ohne thermische Sanierung; ungedämmtes Massivhaus mit alter Ölheizung. Käufer rechnen Sanierungsbudget ein, Banken hinterfragen oft die Finanzierung.
  • Klasse G (HWB,SK > 250): sanierungsbedürftiges Bestandsobjekt, meist Gründerzeit mit fehlenden Sanierungen, ungedämmten Außenwänden, einfachverglasten Fenstern und alter Kohle-/Ölheizung. Verkauf nur mit deutlichem Preisabschlag oder als Sanierungsobjekt.

08 / Mindestanforderungen

Was Bauordnung und Förderung verlangen.

  • Neubau: Niedrigstenergie-Standard (NZEB) seit 1.1.2021, typisch HWBRef ≤ 16 kWh/m²a für kompakte Gebäude bis 54,4 kWh/m²a für zerklüftete
  • Sanierungsschwellen bei größerer Renovierung, definiert über HWBRef-Sanierungsschwellen je A/V-Verhältnis
  • Klimaaktiv-Bronze: HWBRef ≤ 30 kWh/m²BGFa für kompakte Gebäude (Standard für Wohnbauförderung in der Steiermark seit 1.9.2024)
  • Burgenländische Wohnbauförderung 2025: zusätzlich Ökokennzahl OI3 BG 1
  • OIB-RL 6:2025 senkt die normative Innentemperatur von 22 °C auf 20 °C und verbessert HWB-Werte rechnerisch um etwa 10–13 %, Energieausweise nach 22 °C und 20 °C sind nicht direkt vergleichbar

09 / Klasse verbessern

Was bringt welche Maßnahme?

Die größten HWB-Reduktionen kommen aus der Gebäudehülle: Außenwanddämmung (20–40 %), oberste Geschoßdecke (10–25 %), Fenstertausch auf Uw ≤ 1,1 W/m²K (8–15 %). Ein Klassensprung, etwa von D auf B, ist mit thermischer Sanierung in vielen Altbauten realistisch. Die fGEE-Klasse verbessert sich zusätzlich, wenn die Heizung gegen eine Wärmepumpe oder Pelletskessel getauscht wird; gleichzeitig sinkt der CO₂-Wert deutlich. Wir erstellen den Energieausweis für den Ist-Zustand und können die Auswirkung einzelner Maßnahmen vorab durchrechnen, Grundlage für Förderanträge wie Sanierungsbonus Kesseltausch (Stand 02.02.2026: nur Kesseltausch neu beantragbar) und Landesförderungen.

10 / Häufige Fragen

Häufige Fragen.

  • Wie viel kostet ein Energieausweis?

    Wohnungen beginnen typischerweise ab €400, Einfamilienhäuser ab €600, Mehrparteienhäuser ab €1.000, Gewerbeobjekte ab €900. Der Endpreis hängt von Größe, Geometrie, Sanierungsstand und Verfügbarkeit der Unterlagen ab. Sie erhalten vor Auftragserteilung ein verbindliches Festpreis-Angebot.

  • Wie lange ist ein Energieausweis gültig?

    Der Energieausweis gilt zehn Jahre ab Ausstellungsdatum. Eine „Verlängerung“ gibt es nicht: nach Ablauf wird ein vollständig neuer Energieausweis erstellt, inklusive Vor-Ort-Begehung und vollständiger Datenerhebung. Auch nach umfassenden Sanierungen, Heizungstausch, Fenstertausch oder Zubau ist ein neuer Energieausweis nötig, da sich Kennwerte deutlich verändern.

  • Was ist ein Energieausweis?

    Ein Energieausweis bewertet die energetische Qualität eines Gebäudes und wird umgangssprachlich auch Typenschild des Hauses genannt. Vereinfacht gesagt enthält er Angaben dazu, wie effizient die thermische Hülle ist und wie energieeffizient das Gebäude insgesamt bewertet wird. In Österreich ist er bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung gesetzlich vorgeschrieben (EAVG 2012).

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